Mit 80% reicht’s halt nicht für mehr

Das Spiel beim FC Augsburg ist Geschichte. Unsere Borussia steht nach dem 2:2 am 23. Spieltag auf einem sehr guten 4. Tabellenplatz. Alles in allem eigentlich perfekt. Doch in Wirklichkeit ist deutlich mehr drin.

Schneckenrennen um Europa

Eine europäische Platzierung am Ende der Saison wird aufgrund des irrsinnigen TV-Vertrages in England im kommenden Sommer dieses Mal besonders wichtig sein. Um nicht zwangsläufig auf die immensen Gelder von der Insel angewiesen zu sein und sich weitere Qualität in den Kader holen zu können bzw. diese im Kader halten zu können, wäre eine europäische Qualifizierung von besonderer Bedeutung. Die nicht zu verachtenden Prämienzahlungen auf der europäischen Bühne sollte man bei der Bewertung der aktuellen Situation mitnehmen können, um nicht schrittweise in einen finanziellen Abstiegsstrudel zu geraten, der nur durch Spielerverkäufe aufzuhalten wäre. Die großen europäischen Finanzspritzen aus Champions- oder Europa League sollten gesichert werden, um die gestiegenen sportlichen Ansprüche auch weiterhin aufrechterhalten zu können. Die Chance darauf ist weiterhin immens. Aktuell hat man den Eindruck als möchte sich keine Mannschaft so richtig im Schneckenrennen um die Champions League bzw. um Platz 3 und 4 durchsetzen wollen. Also sollte man diese Chance auch mit aller Macht ergreifen!

Borussias Potenzial wird nicht ausgeschöpft – mit halber Kraft ins Ligamittelfeld?

Auch unsere Borussia ist leider von dieser Lethargie betroffen. Defensive Schwächen werden nicht abgestellt und in regelmäßigen Abständen schöngeredet. Offensive 100%-Chancen zu häufig ausgelassen. Und zu allem Überfluss kam bei unserem Gastspiel bei den Fuggerstädtern noch ein offensichtliches Einstellungsproblem hinzu. Vor dem Spiel war allerorts zu hören, man wolle die Europapokalbelastung der Augsburger ausnutzen und die voraussichtlich fehlende Frische des Gegners bestrafen. Nach dem Spiel fragt man sich ganz deutlich. Wer hat hier unter der Woche an der Anfield Road antreten müssen? Augsburg wirkte aktiver und bot deutlich mehr Willenskraft auf. Von Erschöpfung keine Spur. Unsere Borussia spielte mit zu großer Selbstsicherheit und hatte darüber hinaus in der Chancenverwertung keinen herausragenden Tag. Dennoch kam man mit 80% Willenskraft zu zwei Auswärtstoren, die einer Bundesliga-Spitzenmannschaft auch einmal reichen sollten. Wie leider häufiger war dies aufgrund defensiver Instabilität nicht der Fall. So steht am Ende ein etwas glückliches 2:2-Unentschieden (man bedenke den Pfostenschuss der Augsburger in der Nachspielzeit).

Noch ist nichts verloren, aber auch nichts gewonnen

Die Chance auf europäischen Fußball im kommenden Herbst, sogar in der Champions League, ist immer noch gegeben. Die tabellarische Situation, dank der ebenfalls inkonstanten Konkurrenz, immer noch blendend. Es gilt nun endlich als erste Mannschaft in der oberen Tabellenregion (ausgenommen natürlich Dortmund und Bayern) eine Siegesserie zu starten und der Konkurrenz zu zeigen, dass man mit aller Macht in die Champions League einziehen möchte. Die Qualität dazu ist zweifelsfrei vorhanden. Es muss nur dringend an den teilweise eklatanten Abwehrproblemen gearbeitet werden, damit auch einmal zwei Auswärtstore bei einem Gegner aus dem unteren Tabellenmittelfeld zu einem Sieg reichen.